Ostsee

Das Ende der Elternzeit steht bevor. Von 18 Monaten bleiben uns noch genau: Einer. In diesem heißt es, den Thronfolger an seine neue Umgebung bei seiner Tagespflege zu gewöhnen. Von 18 Monaten Elternzeit hatte ich das Glück, drei Monate zu übernehmen. Somit blieben 15 Monate für meine Frau. Daher war die Auszeit in Form eines dreiwöchigen Ostsee-Urlaubs für sie besonders nötig. Im Taumel zwischen Euphorie und Trauer, hat sie ein paar Zeilen geschrieben, denen ich hier gern Platz freimachen möchte.


Drei Wochen Ostsee liegen hinter uns — Strand, Meer, Sausewind. Es waren nicht immer die entspanntesten Tage, auch wenn Bilder einem das gern Mal glauben machen wollen. Urlaub mit Kind muss eben doch ein klein wenig neu definiert werden. Umso besser, dass wir längere Zeit da waren. So konnten wir uns alle in Ruhe eingrooven. Aber versteht das jetzt nicht falsch. Es war alles in allem fantastisch. Wir hatten das beste Wetter, das man sich nur wünschen kann. Wir haben Sandburgen gebaut, Riesenwellen erobert (also die Großen, dem Kleinen reichte das zarte Umspülen des Meeres um die Waden), sämtliche Schubladen in den Unterkünften umgeräumt, Verstecken gespielt, Steine gesammelt, Fische begutachtet und nachgeahmt, Ziegen an Hörnern gezogen. Und was hat der Minikloß uns was vom Meer erzählt.

Panorama vom Ostsee-Strand

Panorama vom Ostsee-Strand. Große Ansicht nach Klick.

Wenn wir morgens aufstanden und den kleinen Mann fragten, ob wir heute zum Meer gehen, stand er wenn es sein musste nackig vor der Wohnungstür und wollte los. Ihr hättet nicht diejenigen sein wollen, die ihm erklären, dass das so jetzt noch nicht geht und überhaupt, dass wir erstmal etwas essen wollen. Weitere Dinge die er übrigens im Urlaub gelernt hat: klettern, Handkuss geben, generell besser verstehen und sich ausdrücken, Spiele initiieren, z.B. Guckguck-Spiel, Eis, Boot, Stein, gackgack (für Möwen), batsch und bumm, Muh, Buch und Aua sagen, einschließlich des genauen Zeigen könnens der Orte, wo er sich in der Ferienwohnung Aua gemacht hat, eins, zwei drei, bumm auf den Hintern plumpsen lassen, Steine ins Meer werfen, Tiergeräusche imitieren, Bummi-Lied Singen, gern auch mit adaptierten Text, also statt Bummi eben mit Mama oder Papa o.ä., Popel sagen einschließlich des Popelns logischerweise und nahezu allem wird gewunken und das nun fast ohne Zeitverzögerung.

Fahrradtour an der Ostsee

Fahrradtour an der Ostsee

Wir werden wohl noch die nächsten Jahre überraschenderweise in irgendwelchen Ritzen von Koffern und selten getragenen Hosen o.ä. Sand finden. Das war es wert. Ein gelungener Abschied eines so bedeutungsvollen Abschnitts, unserer 18-monatigen Elternzeit. Von, wir werden Eltern, da wächst ein Kugelbauch und Staunen und freuen und Heiraten und krass, jetzt geht’s echt ins Krankenhaus bis hin zu, nun sind wir wirklich Familie und wie geht das eigentlich? Und wieder Staunen, Freude, Emotionen, alles kaum fassen können… Langsam groovten wir uns dann doch irgendwie ein und fanden einen Rhythmus.

Der Thronfolger sieht zum ersten Mal das Meer.

Der Thronfolger sieht zum ersten Mal das Meer.

Der Minikloß wurde älter, agiler, ein richtig kleiner frecher Wirbelwind und wir zunehmend lockerer. Ich freue mich natürlich auch wieder darauf etwas anderes zu machen und nicht „nur“ mit Baby daheim zu sein und wenn ich ehrlich bin, auch einfach Mal wieder etwas Geld zu verdienen. Aber ich habe diese Zeit alles in allem so sehr genossen. Diesen kleinen Menschen bei seinen Schritten in diese Welt zu begleiten und das an der Seite des liebevollsten, verständnisvollsten und manchmal gar zu aufopferungsvollsten Ehemann und Minikloßpapa an meiner Seite.

Dabei war das natürlich oft kein Kikifax. Baby und Kleinkind-Managing eben. Dass mir nie so richtig die Decke auf den Kopf fiel, lag allerdings auch an dem glücklichen Umstand der drei Babys in einem Haus, mit nur maximal fünf Monaten Altersunterschied vom jüngsten zum ältesten Kind. Und nun kommt also ein neuer Abschnitt. Ich bin vor allem gespannt, wie der Minikloß und meine Wenigkeit mit dem was kommt, umgehen werden. Ich meine, man verbringt fast 24/7 zusammen und ich will ja nicht klammern, aber was soll ich sagen: Er ist nunmal mein Minikloß und wir sind so 🤞

 

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